Die Suche nach dem sozialistischen Sport
| 1918 | 7. Mai | Dekret des Allrussischen Zentralen Exekutivkomitees der Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten über Organisation und Programm einer allgemeinen paramilitärischen Ausbildung (russische Abkürzung: Vsevobuč) |
| 1919 | Oktober | Gründung des Staatlichen Instituts für körperliche Ausbildung „P. S. Lesgaft“ in Petrograd |
| 1920 | 31. Januar | Gründung der militärischen Hochschule für Körpererziehung der Werktätigen |
| Juli und Oktober | „Vorolympiaden“ in Gestalt von Massenfestivals für Sport und Körperkultur Oktober in den Städten Moskau, Omsk, Taschkent und Ekaterinburg sie aus gesundheitlichen Gründen ab. | |
| 1. Dezember | Gründung des Staatlichen Instituts für Körperkultur als wissenschaftliche Einrichtung des Volkskommissariats für Gesundheitswesen (später: Staatliches Zentralinstitut für Körperkultur) | |
| 1921 | Juni | Gründung der Roten Sportinternationale (RSI) in Moskau als Gegenstück zur sozialistischen Sportinternationale (LSI) in Luzern (gegründet 1920, umbenannt 1927 in Sozialistische Arbeitersport-Internationale) |
| 1923 | 24. Juni | Gründung der Sportvereinigung „Dynamo“ für die Angehörigen der Staatssicherheitsdienste |
| 27. Juli | Bildung des Obersten Rates für Körperkultur beim Zentralen Exekutivkomitee der Sowjets der RSFSR | |
| 1.-16. September | Erste Allunionsfeiertage für Körperkultur in Moskau | |
| 1925 | 13. Juli | „Über Aufgaben der Partei in der Körperkultur“ Resolution des ZK der Kommunistischen Partei zu den Prinzipien sowjetischer Sportpolitik |
| 1928 | 12.-23. August | Erste Internationale Arbeiter-Spartakiade in Moskau als August Gegenveranstaltung zu den Olympischen Sommerspielen 1928 in Amsterdam und zu den Arbeitersport-Olympiaden der SASI (Sozialistische Arbeitersport-Internationale) |
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HygienistenDie frühe Phase der sowjetischen Körperkultur (fizkul'tura) dominierte die Hygienebewegung, der in erster Linie Vertreter des medizinischen Bereichs angehörten. Ihr oberstes Ziel war die Verbesserung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung: Hygiene, ein gesunder Lebenswandel und die Ausführung harmonischer Bewegungen sollten zu einem körperlich gesunden, ausgeglichenen und leistungsstarken Menschen führen. Sie standen dem Wettkampfsport kritisch gegenüber, da er negative Eigenschaften wie den Individualismus fördere. Auch einige populäre Sportarten, wie den Fußball, lehnten sie aus gesundheitlichen Gründen ab. Zu den Anhängern dieser Richtung zählten Nikolaj Semaško, der Volkskommissar für Gesundheit und erster Vorsitzende des Rats für Körperkultur (gegr. 1923), und A. Zikmund, der Leiter des Moskauer Staatlichen Instituts für Körperkultur (gegr. 1920). |
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VSEVOBUČ – Allgemeine militärische UnterweisungIn der Zeit des Bürgerkrieges (1917-21) war die Sportbewegung militärisch ausgerichtet. Ziel war es, vor allem jungen Männer auf den Kampf vorzubereiten. Die 1918 gegründete Organisationsbehörde Vsevobuč (Vseobščee voennoe obučenie – Allgemeine militärische Unterweisung) lag im Verantwortungsbereich des Militärs. Den Wandel in der Friedenszeit markierte die Auflösung des Vsevobuč 1923. Im Zweiten Weltkrieg wurde diese Institution wieder eingerichtet. |
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Sport in den SowjetrepublikenIm Vielvölkerstaat Sowjetunion verband sich mit dem Sport die Hoffnung, eine Integration der unterschiedlichen Ethnien und Nationalitäten in das Projekt des "Sowjetvolks" fördern zu können. Der Sport schien dazu geeignet, durch Identifikations- und Aufstiegsangebote eine heterogene Bevölkerung zur Aneignung der Sowjetunion und einer neuen sowjetischen Lebensweise zu bewegen. Durch die Exponierung von Sportler-"Helden" ließen sich die Angebote des Regimes auf einer emotionalen Ebene an die Bevölkerung transportieren. Eine ähnliche Funktion wurde auch der öffentlichen Präsentation des Freizeitsports beigemessen. Seit 1937 nahmen regelmäßig Delegationen aus den Sowjetrepubliken an den Sport- und Körperkulturparaden in Moskau teil. |
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Das heroische Jahrzehnt
| 1928 | 1. Oktober | Einführung der „Produktionsgymnastik“ am Arbeitsplatz mit dem Anlaufen des Ersten Fünfjahreplans |
| 1930 | 3. April | Einsetzung des Allunionsrats für Körperkultur als zentrale staatliche Behörde für die Organisation der Körperkultur und des Sports. Durchsetzung des Produktionsprinzips als Organisationsprinzip für sämtliche Sportgruppen und Sportzirkel |
| 1931 | März | Einführung des sportlichen Ertüchtigungsprogramms „Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Sowjetunion“ (GTO) |
| 5. August | Premiere der alljährlichen Sportparade auf dem Roten Platz | |
| 1934 | 27. Mai | Einführung des Titels „Verdienter Meister des Sports“ |
| 19. April | Gründung der ersten freiwilligen Sportvereinigung „Sportale“ unter der Schirmherrschaft der Gewerkschaften (bis 1938 entstehen knapp hundert Filialvereinigungen) | |
| 1936 | 21. Juni | Ablösung des Allunionsrates für Körperkultur durch das Allunionskomitee für Körperkultur und Sport und Zuordnung zum Rat der Volkskommissare |
| 1938 | Sommer | Erstmalige Teilnahme einer sowjetischen Mannschaft an einer internationalen Sportveranstaltung der SASI, der III. Arbeiter-Olympiade in Antwerpen |
| 1941-45 | Maßnahmen zur Einbeziehung der Sportorganisationen in die Verteidigung des Landes: Wiedererrichtung der Bürgerkriegsinstitution Vsevobuč Befehle der Ausweitung paramilitärischer Übungen zum Einsatz bei der Rehabilitation in Lazaretten und zur allgemeinen Wehrertüchtigung Sportwettkämpfe und Fussballspiele gegen Mannschaften der Besatzungsarmeen |
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SportorganisationNach der Auflösung der Sportinstitution VSEVOBUČ wurde 1923 der Oberste Rat für Körperkultur gegründet. Der Rat war dem Exekutivkomitee der Partei unterstellt. Ihm gehörten Vertreter der Volkskommissariate für Bildung, Gesundheit, Verteidigung, Inneres und Arbeit, des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, der Jugendorganisation Komsomol, der Gewerkschaften und des Moskauer Sowjets an. Die Zusammensetzung des Rats spiegelt die Vielzahl an Organisationen wider, die für den Sportbereich verantwortlich waren. Konkurrenz um Zielsetzung und Organisation der Sportbewegung und –politik kennzeichneten die 1920er Jahre. 1930 wurde der Rat für Körperkultur durch den Allunionsrat für Körperkultur abgelöst, der dem zentralen Exekutivkomitee der Sowjetunion unterstellt war. Diese Entwicklung korrespondierte mit dem allgemeinen Trend zur Zentralisierung durch die forcierte Industrialisierung und die Einführung des 1. Fünfjahresplans 1928. 1936 wurde der Allunionsrat durch das Allunionskomitee für Körperkultur und Sport ersetzt und dem Rat der Volkskommissare zugeordnet. |
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ProduktionsgymnastikMit dem Anlaufen des Ersten Fünfjahresplans 1928 wurde die sogenannte Produktionsgymnastik zur Leistungssteigerung am Arbeitsplatz eingeführt. Die Produktionsgymnastik umfasste standardisierte Körperübungen und resultierte aus der sowjetischen Version der Arbeitswissenschaften. Während der 1920er Jahren waren an verschiedenen Instituten naturwissenschaftlich begründete Methoden zur Effizienzsteigerung erarbeitet worden, die Ergebnisse des Taylorismus und der Verhaltensforschung benutzten. Die Produktionsgymnastik beinhaltet die Auffassung, dass der Körper von außen nach innen beherrscht werden kann, d. h. dass sich die Körperkräfte durch äußere Bewegungsabläufe koordinieren lassen. Auch Elemente aus dem Revolutionstheater, im wesentlichen von Vsevolod Meyerhold, gingen in die Produktionsgymnastik ein. |
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GTO – Bereit zur Arbeit und Verteidigung der SowjetunionDas von der Jugendorganisation Komsomol – Kommunistischer Allunionsbund der Jugend ausgearbeitete und 1931 eingeführte Breitensportprogramm GTO (Gotov k Trudu i Oborone – Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung) basierte auf Leistung. Um das GTO-Sportabzeichen zu erlangen, mussten bestimmte Ergebnisse erzielt werden. Das GTO-Programm entsprach den beiden Sportmaximen Massovst´vo (Massenhaftigkeit) und Masterstvo (Meisterlichkeit), indem es möglichst viele Menschen zur sportlichen Aktivität anspornen sollte und die Grundlage zur Entdeckung von Talenten bildete. |
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